Bionisch-kreativ zu virenfreier Luft

Wie von Leonardo da Vinci selbst gezeichnet sieht die Skizze aus, die im Team angefertigt wurde, um zu verdeutlichen, wie eine Aerosol-Absauganlage für Klassenräume aussehen könnte, wenn man sie ganz einfach und aus Baumarktartikeln zusammenbaut. Skizze: WH

Über die Jahreswende hinweg und damit mitten in der Corona-Pandemie arbeitete Bionikprofessor Tobias Seidl mit einer Gruppe Studierender und den Professoren Olaf Just und Michael Wendland an einer neuartigen Aerosol-Absauganlage für Klassenräume. Mit dabei waren außerdem der Designer Joris de Groot aus Arnheim und die niederländische Firma „Warmgroen Concept, Art and Design“, die das warme Grün genauso wie die Westfälische Hochschule sicherlich nicht zufällig in Name und Marke führt.

(BL) Schulen auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze suchen eine Lösung, die Luft in den Klassenzimmern zu reinigen und eine praktikable Lösung schnell umzusetzen. „Professionelle Anlagen für Schulen sind oft sehr teuer und benötigen viel Zeit zur Installation. Aber es gibt auch kreative preiswertere Lösungen“, davon war Seidl überzeugt. Die Arbeitsgruppe um ihn setzt auf Lösungen, die aus handelsüblichen Baumarktprodukten zusammengesetzt werden können. Prof. Dr. Olaf Just bastelte mit einer Studentin einen Sensor, der in der Anlage anhand von winzigen Tröpfchen in der Atemluft – den Aerosolen, die jeder ausatmet – misst, wann die Luft in einem Raum verbraucht ist. Wenn die Luft als zu unrein gemessen wird, gibt der Sensor mit einer „Corona-Ampel“ ein Warnsignal. Dann wird Raumluft mit einem von Just angebauten Ventilator nach außen gepumpt und es wird Luft aus dem Gebäude nachgesogen. Auf diese Weise wird nicht nur die verbrauchte Luft entfernt, sondern werden auch die Viren entfernt, die sich darin befinden. Prof. Dr. Michael Wendland rechnete alles noch mal nach und kümmerte sich um das System-Engineering.

Tobias Seidl war von der Zusammenarbeit im gemischten Team begeistert: „Es ist ausgesprochen wichtig, Grenzen zu überschreiten, um neue Lösungen zu finden. Man sollte die Angst vor dem Anderssein verlieren und lernen, sich auf andere Sprachen, Kulturen, Disziplinen, Arbeits- und Denkweisen einzulassen.“

Und in Zeiten der Pandemie war es wichtig, dass die beteiligten Personen sich infektionsschutzkonform ohne persönliche Treffen virtuell zu einer erfolgreichen Arbeitsgruppe formen konnten: „Wir haben mit den virtuellen Arbeitswerkzeugen Zoom für den persönlichen Austausch und mit Miro als virtueller Tafel gearbeitet“, so Seidl. „So konnten wir unbürokratisch und schnell zu einer innovativen Lösung der Aufgabe kommen. Selbst, wenn draußen eine Pandemie tobt...“.

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Leonardo da Vinci Innovation

Die Arbeit an der Aerosol-Absauganlage gehört zu dem binationalen Arbeitspaket „Factory Matches“, das zum Projekt „Leonardo da Vinci Innovation“ des Interreg-Deutschland-Nederland-Programms gehört. Es wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt sowie von deutscher Seite vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie und auf niederländischer Seite von der Provinz Gelderland.