Nachrichten aus der Westfälischen Hochschule

Tipps, Tricks und Täuschung

V.l.n.r.: Der Gelsenkirchener Produktfotograf Marco Wydmuch, Holger Augustin, Handwerkskammer Münster/Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West, Dr. Chistopher Schmitt, Vorstand Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen, Juri Boos, Urbanmaker in Münster, Florian Götte, Helmich-IT-Security aus Marl, Prof. Dr. Michael Brodmann, Vizepräsident für Forschung und Entwicklung an der WH, Christoph Martin, Helmich-IT-Security aus Marl, Rainer Schiffkowski, Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen, Moderator Ralf Laskowski von Radio Emscher-Lippe und Prof. Dr. Henning Ahlf von der Westfälischen Hochschule hatten den rund 150 Gäste eine geballte Ladung Informationen aus den Bereichen Internetsicherheit, digitales Marketing und 3-D-Druckverfahren zu bieten. Foto WH/MV

Mit einem Informationstag Mitte November an der Westfälischen Hochschule informierten die Handwerkskammer Münster, die Stadt Gelsenkirchen, die Kreishandwerkerschaften sowie Experten aus Hochschule und Unternehmen gemeinsam über Chancen, Nutzen und Risiken der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

(MV) Einen Tipp ans Publikum, den man als Resümee für die Vorträge aus der Internetsicherheit für Unternehmen zusammenfassen kann: „Seien sie kritisch und sensibilisiert, wenn es um Ihre Daten geht.“ Sowohl Prof. Norbert Pohlmann als auch Christoph Martin und Florian Götte von der Marler Firma Helmich-IT-Security berichteten von Fallbeispielen, die die Gefahren im Netz deutlich werden ließen und die es gilt, ernst zu nehmen. „Jedes Unternehmen ist gefährdet, die Frage ist nur, wann es passiert“, gab Christoph Martin zu bedenken, „Unternehmen kämpfen bei einem Angriff um ihre Existenz.“ Martin berichtete von einem Einsatz des Marler Sicherheitsunternehmens in einer Firma, die sich über das Öffnen eines E-Mail-Anhangs, zur Täuschung als Initiativbewerbung getarnt, den Trojaner „Locky“ eingehandelt hatte. Einmal entpackt verschlüsselte er alle Daten und breitete sich in vielen Bereichen des Unternehmens aus, zu denen der befallene Rechner Zugriffserlaubnis hatte. Mit viel Arbeit, einem glücklicherweise vorhandenen Daten-Backup und einer Betriebsstörung von einigen Tagen kam das getäuschte Unternehmen noch glimpflich davon.

Statistisch untermauerte Prof. Norbert Pohlmann, Direktor des Instituts für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule (WH), die Gefahrensituation aus dem Netz mit Zahlen, die die Zuhörerinnen und Zuhörer so wahrscheinlich nicht vermutet hätten: Die Internetkriminalität durch betrogene Otto-Normal-Internet-Nutzerinnen und -Nutzer verursachen statistisch etwa 100 Millionen Euro Schaden pro Jahr, hingegen durch Wirtschaftsspionage wird der jährliche Schaden allein in Deutschland mit rund 55 Milliarden Euro beziffert. Insgesamt seien nur rund fünf Prozent des Datenbestandes eines Unternehmens besonders schützenswert, berichtete Pohlmann, man müsse nur herausfinden, welche das seien. Ansonsten empfahl der Sicherheitsspezialist zur Vermeidung von Angriffen digital sparsam zu sein. Eine aktuell immer häufiger eingesetzte Methode als Schutz vor Angriffen funktioniere über das sogenannte „Blockchain“. Dabei werden Daten auf verschiedenen miteinander verketteten und verschlüsselten Systemen (dezentrale Datenbankstruktur) gespeichert. Dies solle eine sehr hohe Sicherheit darstellen, da die Daten auch gegen nachträgliche Manipulation geschützt seien.

Der anschließende Vortragsblock setzte sich mit dem „digitalen Marketing“ in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auseinander. Dr. Henning Ahlf, Professor mit dem Lehrgebiet Wirtschaftsinformatik und digitales Marketing an der WH, sprach von der „Ubiquität“ des Internets, der „Allgegenwärtigkeit“, die im wirtschaftlichen Bereich meint, dass eine Ware oder ein Gut an jedem Ort erhältlich ist. „Ihre Konkurrenz sitzt nicht mehr nur ‚um die Ecke‘, sondern ist weltweit verteilt“, beschreibt Ahlf die Entwicklung des Internetangebots der letzten Jahre. „Damit ist ein verändertes Informationssuchverhalten von Kunden und Nachfragern verbunden.“ Das sollten Unternehmerinnen und Unternehmer von KMUs berücksichtigen und zumindest eine Webseite haben, an E-Mail-Marketing denken und über eine Suchoptimierung nachdenken, damit ihre Dienstleistung und Angebot im Netz gefunden werden. Einige Maßnahmen funktionierten dabei über die Trial-and-Error-Methode, denn nicht jede Maßnahme sei immer sofort erfolgreich. Wichtig ist zudem, seine Zielgruppe genau zu kennen. Als Tipp gab Ahlf seinen Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg, nicht alles auf einmal machen zu wollen. Wenn man die Maßnahmen nicht mit Bordmitteln umsetzen kann, sollte auf externe Dienstleister zurückgegriffen werden. Die strategische Planung muss dabei als Vorleistung vom Unternehmen selbst kommen.

Viele Tipps und Tricks fürs Publikum hatte zudem Marco Wydmuch im Gepäck. Wydmuch hat sich vor gut zehn Jahren als Fotograf in Gelsenkirchen selbstständig gemacht. Wydmuch nutzt alle möglichen Internet-Kanäle, um auf seine Dienstleistung aufmerksam zu machen. Dabei erläuterte er die Zusammenhänge von Suchmaschinen, sozialen Medien und Werbeplattformen sehr anschaulich. Rund eine Stunde pro Tag sei er auf „Facebook, Twitter, Google und Co“ unterwegs. Dies liege an den Reaktionszeiten, die in sozialen Netzwerken als Daten gespeichert werden. „Wenn ich erst Stunden oder Tage später auf eine Anfrage oder Kommentar reagiere, muss ich mir dessen bewusst sein, welche Außenwirkung das auf meine Kunden und Interessenten hat“, gab Wydmuch zu bedenken. Er konkurriere schließlich allein in Deutschland mit rund 20.000 anderen Berufsfotografen. „Du musst präsent sein, aber die Oberhand behalten“, mahnte er an. „Kümmern Sie sich um ihr digitales Marketing, ansonsten werden Sie gekümmert“, setzte Marco Wydmuch nach und brachte ein Fallbeispiel eines Juweliers in seiner Nähe. Ein Dienstleister, den er seit Jahren kennt, kümmerte sich nicht um den eigenen Auftritt im Netz, wahrscheinlich auch, weil er es nicht besser wusste. Mit der Arbeit seines Juweliers immer zufrieden fotografierte Wydmuch das Geschäft und ergänzte die Inhalte und Auftritte im Netz, die bis dahin sehr anonym wirkten. „Sagen Sie jetzt nicht, ich habe es leicht, ich bin ja auch Fotograf. Nein, jeder der ein Smartphone hat, kann Bilder machen. Jeder kann irgendetwas gut. Also tun Sie es“, appellierte Wydmuch an das Publikum.

Abschließend zeigten WH-Hochschulprofessoren sowie externe Dienstleister verschiedene Möglichkeiten und Produktionsverfahren mit unterschiedlichen 3-D-Druckern, bevor es anschließend in die Labors ging. Dort konnten sich die Interessenten verschiede Umsetzungen live anschauen und Fragen stellen, die möglicherweise bis dahin noch offen geblieben waren.