Nachrichten aus der Westfälischen Hochschule

Energieversorgung in der Simulation

Daniel Hilligsmann (3.v.r.) und Emilie van de Weyer, Berater im Stab des Ministerpräsidenten der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, besuchten das Westfälische Energieinstitut, um sich über Möglichkeiten der Energiewende weg von fossilen Brennstoffen und Atomstrom zu informieren. Links: Prof. Dr. Markus Jan Löffler und Prof. Dr. Michael Brodmann (2.v.l.), rechts: Master-Student Jan Laubinger (2.v.r.) und Bachelor-Kandidat Florian Zellmer. Foto: WH/BL

Aus der deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien besuchten Daniel Hilligsmann und Emilie van de Weyer Prof. Dr. Markus Jan Löffler an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Hauptthema des Tages war der „Energiewendeplaner“, den Löffler gemeinsam mit einem Stab von Studierenden als Simulationswerkzeug ins Internet gestellt hat und der es erlaubt, Kenngrößen für die Energiewende vorzugeben und sich vom Programm sagen zu lassen, zu welchen Planungserfordernissen das in der Raumordnung führt.

(BL) Daniel Hilligsmann ist Berater, Emilie van de Weyer Referentin für Energie und Mobilität im Stab von Oliver Paasch, dem Ministerpräsidenten der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Ab Januar 2020, so Hilligsmann, übernimmt die deutschsprachige Gemeinschaft Teile der Energiepolitik Belgiens und steht damit auch in Belgien und der Forderung nach einer umweltfreundlichen Energiepolitik mit sich erneuernden Energiequellen vor großen Aufgaben. Hilligsmann: „Als Gestalter neuer ostbelgien-spezifischer Anreize für die Durchführung energieeffizienz-fördernder Maßnahmen verfügen wir aktuell über ein sprichwörtliches ‚weißes Blatt‘. Die Aktivierung neuer Partnerschaften und die Nutzung bewährter Instrumente werden somit eine große Rolle für uns spielen, nicht zuletzt aufgrund der Kleinheit unserer Region.“

„Ein solches Planungsinstrument könnte der Energiewendeplaner sein“, versprach Prof. Dr. Markus Jan Löffler vom Energieinstitut der Westfälischen Hochschule, den schon seit geraumer Zeit ein Planungsinstrument umtreibt, das es erlaubt, Rahmenparameter der bis 2050 in Deutschland geplanten Energiewende in beliebiger Höhe vorzugeben. Aus den Daten gestützt auf eine Unmenge von Wetter- und Klimadaten, Kraftwerksdaten und energetischer Kenngrößen berechnet das Programm daraus die Folgen. Also etwa, was nötig ist, wenn man Wärme, Mobilität und Motoren nur noch mit Strom aus Sonne und Wind als Energieträger zulassen will. Wie viel elektrische Leistung muss in Deutschland installiert werden? Wieviel Fläche verbrauchen Solarkraftwerke und Windräder? Wie kann man die Dunkelflaute mit Speichern umgehen, wenn die Sonne nicht ausreichend scheint und der Wind nicht weht? Was für Speicher kann man nutzen? Wie viel Energieverbrauch gesteht man den Bürgern zu? Sollen fossile Energieträger nutzende Kraftwerke als Zwischen- oder Notlösung weiter bevorratet werden? Welcher jährliche Investitionsbedarf errechnet sich daraus? Für Deutschland hat das Team um Löffler die erforderlichen Daten schon komplett im Programm, für Belgien sind die Daten bereits recherchiert.

Vorteil für die Gäste aus Belgien: Der Energiewendeplaner steht im Internet und kann von jedem und von überall her aufgerufen werden. Für die Nutzung ist allerdings eine Menge Sachverstand nötig, sonst kann man zwar mit dem Planer spielen, wirklich realistische Plandaten wird er dann aber nicht ausspucken. „Ohnehin ist es nicht das Problem, das Programm zu bedienen und Kenndaten einzugeben“, warnt Löffler, „sondern die Ergebnisse fachlich und planerisch zu verstehen, richtig einzuordnen und sinnvolle Folgen für die Energieplanung einer Region abzuleiten.“ Kooperationen zwischen Beratern, Planern und Fachleuten, wie sie die Westfälische Hochschule den belgischen Gästen mit ihrem Energieinstitut bereitstellen kann, bieten sich daher an, zumal wenn ein solches Institut ein Team von gleich über 20 Professorinnen und Professoren bildet. Dabei garantieren Löffler und seine Kollegen und Kolleginnen vom Westfälischen Energieinstitut, dass die Partner an der Westfälischen Hochschule politisch neutral und wissenschaftlich nur der Sache verpflichtet arbeiten. Löffler: „Wir arbeiten nur auf der Basis der Wissenschaft und sind sowohl technisch als auch politisch an keine Denkachsen gebunden.“

Deswegen steht der Energiewendeplaner auch frei zugänglich im Netz und zeigt dem Nutzer offen, auf welchen technisch-mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen er beruht. Die Nutzer werden aufgefordert, sich an der Weiterentwicklung und Verbesserung wissenschaftlich zu beteiligen. „Wir fordern dabei von den Nutzern, dass auch sie ihre Datenquellen offenlegen, damit der Energiewendeplaner im wissenschaftlichen Dialog überprüft und verbessert werden kann.“