Nachrichten aus der Westfälischen Hochschule

Ethik und Moral in den PR

Prof. Dr. Günter Bentele. Foto: WH/BL

Ethik und Moral bei der Öffentlichkeitsarbeit/Public Relations sind schon über 100 Jahre ein Thema. Die derzeitige Diskussion um Fake News, Propaganda und Lügenpresse verleiht dem Thema zusätzliche, aktuelle Bedeutung. PR-Forscher Prof. Dr. Günter Bentele sprach darüber vor vollem Hörsaal im Studiengang Journalismus und Public Relations.

(BL) Beschäftigte in der Öffentlichkeitsarbeit dürfen nicht lügen und: Sie müssen es auch nicht, darin waren sich der Vortragende und Prof. Dr. Stefan Weinacht, Prodekan für Journalismus und Public Relations an der Westfälischen Hochschule, einig. Weinacht stellte Bentele als Mann aus der Forschung und aus der Berufspraxis vor. Von 2012 bis 2017 war er Vorsitzender des „Deutschen Rats für Public Relations“ und hat maßgeblich am „Deutschen Kommunikationskodex“ mitgewirkt. „Die Ethik der PR beschäftigt sich mit dem moralisch-sittlichen Handeln von PR-Praktikern“, so Bentele, „es geht um den transparenten und redlichen Dialog mit der Öffentlichkeit.“ Dabei unterscheidet er die individuelle Verantwortung des Handelnden und die organisationsbezogene Verantwortung des Unternehmens, bei dem der PR-Praktiker arbeitet. Konkret, so Bentele, gehe es um Transparenz, Wahrheit und Lüge, Geheimhaltung, Verschwiegenheit, Vertraulichkeit und Loyalität, Täuschung, Wahrhaftigkeit und Integrität, das Gewähren von Vorteilen, Objektivität, Fairness und Professionalität. Aus der Diskussion dieser Begriffe ergeben sich die Handlungsempfehlungen im deutschen Kommunikationskodex.

Im Idealfall bekennen sich nicht nur die PR-Praktiker im Betrieb, sondern auch das Unternehmen als Institution zu den Regeln des Kommunikationskodexes. Dafür wirbt der DRPR als „Deutscher Rat für Public Relations“ auch bei den DAX-Unternehmen in Deutschland. In seinem Jahresbericht 2017 nennt der DRPR beispielsweise die Firma Linde und die „Deutsche Post DHL-Gruppe“ als Unternehmen, die positiv auf diesen Vorschlag geantwortet haben.

Beschwerden über ein Fehlverhalten können direkt an den Deutschen Rat für Public Relations gerichtet werden: online, vertraulich. Dieser prüft den Vorwurf und spricht dann auch öffentlich Rügen aus. Bentele: „Das ist kein zahnloser Tiger, sondern hat in der Vergangenheit auch schon dazu geführt, dass PR-Aufträge mit gerügten Unternehmen wieder storniert wurden.“ Auch die Ratssprüche sind online dokumentiert und öffentlich einsehbar.

Historischer Vorreiter ist US-Amerikaner Ivy L. Lee, der 1906 seinen PR-Kunden ein Beiblatt mitschickte, auf dem er seine ethisch-moralischen Unternehmensprinzipien für Pressemeldungen erklärte. In den 90er Jahren formulierte Horst Avenarius sieben Selbstverpflichtungen für Mitglieder der deutschen Public-Relations-Gesellschaft DPRG. National und international gibt es mehrere Regelwerke für Public Relations, alle finden sich unter „DRPR-online.de“. „Die Bevölkerung“, so Bentele, „erwartet solche Standesregeln. Nur etwa drei Prozent meinen, sie seien nicht nötig.“ Bentele ist von Bedeutung und Nutzen der PR-Regeln überzeugt und meint, dass ihre Bedeutung vor dem Hintergrund von Internationalisierung, von Social Media und Compliance-Regeln der Unternehmen sogar noch wachse. Bentele: „In jeder Kommunikationsaufgabe ist eine ethische Entscheidung versteckt.“