Nachrichten aus der Westfälischen Hochschule

Hilfe in der Krise

Diplom-Psychologe Peter Schott und Diplom-Pädagogin Leila Mesaros moderierten die Workshops zur Hilfe für Studierende in der Krise. Foto: WH/BL

Im Normalfall läuft alles gut zwischen Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitern. Doch manchmal geraten Studierende in Krisensituationen und brauchen Hilfe. Wie man diese Situationen erkennt und welche Hilfen möglich sind, erarbeiteten sich Professorinnen, Professoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung in zwei Workshops mit Diplom-Pädagogin Leila Mesaros und dem Diplom-Psychologen Peter Schott.

(BL) Vorlesungen, Übungen, Praktika, Sprechstunden, Studierendenbetreuung, Forschungsteams: Im Normalfall ist alles bestens geregelt und funktioniert. Routine eben. Und doch: Manchmal sitzt jemand wie betäubt in der Prüfung, rollen Tränen in der Sprechstunde, finden sich immer wieder neue Erklärungen, warum eine Studienarbeit noch nicht fertig ist. Das können Warnhinweise sein für dahinter liegende, ernsthaftere Probleme.

Warnhinweise erkennen
Hier, so Leila Mesaros von der psychologischen Studienberatung in der „Zentralen Studienberatung“, seien zunächst Sensibilität und gesunder Menschenverstand gefordert, um die Warnhinweise, die passiv von Studierenden ausgehen, zu erkennen. Die Workshop-Teilnehmer waren sich schnell einig, dass es dann aber nicht nur legitim, sondern vielleicht sogar geboten sei, denjenigen darauf anzusprechen. Trotzdem bestehe immer auch die Gefahr, dem Studierenden bereits mit der Frage „Ist bei Ihnen alles in Ordnung?“ zu nahe zu treten. Mesaros: „Es ist immer viel Fingerspitzengefühl vonnöten, um nicht übergriffig zu sein.“ Denn wenn der Studierende deutlich macht, dass er oder sie nicht reden will, dann sei das genauso auch zu akzeptieren.

Was ist zu tun?
Ist der gefühlt heikle Graben des kommunikativen Einstiegs überwunden, hat der Studierende die Chance, seine Schwierigkeiten auszusprechen. Dabei sei, so die Workshop-Teilnehmer, das „Wie“ der Ansprache sehr wichtig. Ein Einstieg könne etwa sein, einen wahrgenommenen Leistungsabfall anzusprechen. Konkretes Besprechen eines Problems gibt dem Studierenden das Gefühl, dass er ernst genommen wird und im günstigsten Fall durch Anleitung zu den richtigen Fragen seine eigenen Lösungen zu finden. Erfahrungen des Beratenden sind nämlich nicht immer wie ein Abziehbild für den anderen anwendbar.

Grenzen sehen
Doch nicht immer reicht das persönliche, ernsthafte Gespräch. Der  Beratende muss die eigenen Grenzen der Hilfe kennen und auf andere Hilfsangebote hinweisen, wenn er das Gefühl bekommt, den Ratsuchenden nicht zu erreichen. Leila Mesaros: „Dann sollte der Hochschullehrer oder -mitarbeiter darauf hinweisen, dass er die vermutlich notwendige Unterstützung nicht selber geben kann und auf andere Hilfsangebote hinweisen, etwa die der psychologischen Studienberatung.“ Dabei sei es wichtig, bei den Hilfesuchenden dem Eindruck vorzubeugen, dass „Psychologische Beratung“ nur was für „Loser“ sei, sondern zu betonen, dass professionelle Hilfe ratsam und hilfreich ist.

Rote Linien
Manchmal sind die Warnhinweise nicht mehr  vage, sondern Schreie. Die Ankündigung, sich oder anderen Gewalt antun zu wollen, gehört ganz bestimmt dazu, wenn sie nicht nur im Eifer des Gesprächs als Ausdruck von Wut oder Hilflosigkeit zu werten ist. Dann müssen Profis eingeschaltet werden, denn der Mensch guten Willens ist dann ohne entsprechende Ausbildung überfordert. Auch das ist eine rote Linie: Kein Helfer darf sich selbst überfordern. Das wäre nicht hilfreich, sondern vermehrt nur die Anzahl der hilfsbedürftigen Personen um eine weitere. Auch Helfer können sich im Bedarfsfall an die psychologische Studienberatung wenden, um dort die Last der Hilfe zu teilen und Ratschläge für das weitere Vorgehen zu bekommen. Im Zweifel gilt auch hier: Sich nicht zurückziehen, sondern sich auch selbst „Hilfe für Helfer“ zu holen.

Zeit
Auch und gerade für schwierige Situationen gilt: Gut Ding will Weile haben. Hilfsangebote brauchen manchmal einen langen Atem, um vom anderen angenommen und umgesetzt zu werden. Zeit hilft, nach und nach das Problem in den Griff zu bekommen, wenn man geduldig dran bleibt.

Über die Workshops hinaus steht der psychologische Beratungsdienst kontinuierlich zur Verfügung und bietet auch an, bei Bedarf sich anschließende und andere Workshops durchzuführen. Etwa zu Prüfungsängsten, zum Lernmanagement oder zum Coaching. Kontaktmöglichkeiten sind das Telefon (0209-9596-957), die E-Mail-Adresse Leila.Mesaros@w-hs.de, das Internet unter www.w-hs.de/psychologische-beratung. Oder einfach mal vorbei gehen: Zeiten und Räume stehen auf der Internetseite. Zurzeit immer montags in ungeraden Wochen in Recklinghausen, dienstags wöchentlich in Gelsenkirchen und mittwochs in geraden Wochen in Bocholt, jeweils von 10 bis 12 Uhr. Die Broschüre „Studierende in der Krise – was tun?“ gibt es bei der Studienberatung oder im Intranet als Datei.